Juni 23, 2022

WIe ich wurde, was ich bin: Mein Weg zur Steuerberaterin und systemischen Coach

Mein Leben und auch mein Weg im Berufsleben teilt sich in zwei Teile: Eine Leben bis 1989 und ein Leben nach 1989. Aber fangen wir von vorne an. An einen Berufswunsch in meiner Kindheit kann ich mich nur insoweit erinnern, dass ich eine ganze Zeit Eisverkäuferin werden wollte. Keine Ahnung warum mir ausgerechnet dies in Erinnerung geblieben ist. Sicher weil ich Eis so gern esse. Was ich weiß, dass ich Mathe in der Schule super gern gemacht habe. Zahlen und logisches Denken, kombinieren von Sachverhalten, dass war meins. Heute bin ich Steuerberaterin, zertifizierte Profit First Professional und systemischer Coach und ich liebe das was ich tue.

  1. Meine erste Ausbildung – eine logische Folge – der erste Meilenstein auf meinem Weg

Geprägt durch meine Eltern, die mit Herzblut Gastronomen waren, erlernte ich den Beruf der Kellnerin. Eigentlich war es auch logisch. Denn bereits in den Ferien arbeitete ich in den Gaststätten meiner Eltern mit. Auch wenn das in der DDR alles etwas anders war. Ausbildungsberufe wurden vielleicht auch nach anderen Gesichtspunkten ausgewählt. Ich hatte jedenfalls das Glück, dass mir der Beruf Spaß gemacht hat. Mathe war in dem Beruf auch nicht ganz so falsch am Platz. Ich lernte in der Zeit aber auch viel über Lebensmittel. Die Karte von meinem Prüfungsmenü habe ich noch. Das Menü stand unter dem Thema: „Tag des Eisenbahners“

Menükarte 5.7.77 aus der Kellnerprüfung
Menükarte vom 5.7.77
  1. Fachschulstudium – Ökonom des Gaststätten – und Hotelwesens

Mit meinem Beruf war ich immer noch zufrieden. Dort stehen bleiben wollte ich trotzdem nicht. Also nutze ich die Gelegenheit, als die Möglichkeit angeboten wurde, ein Fernstudium an der Fachschule in Leipzig zu absolvieren. Die Studienzeit dauerte neun Semester. Am 28.1.83 hatte ich es geschafft. Was ich genau damit anfangen werde, wusste ich noch nicht. Ein paar Jahre später war ich glücklich, dass ich die Gelegenheit genutzt hatte.

Zwei Zeichnungen aus der Abschlussarbeit. Aufgabe war Einrichtung Systemgastronomie.
Als Abschlussarbeit mussten zwei Möglichkeiten ausgearbeitet werden für die Systemgastronomie.
  1. Job und Familie – Veränderungen waren notwendig

Arbeiten, wenn andere frei hatten, war für mich grundsätzlich kein Problem. Als sich die Familie vergrößerte, war das dann schon nicht mehr ganz so schön. Durch das Studium, konnte ich als ökonomische Leiterin in einem Nebenbetrieb der Leipziger Volkszeitung beginnen. Der Vorteil war, geregelte Arbeitszeiten. Weiterer Vorteil, dadurch, dass es ein Nebenbetrieb der Leipziger Volkszeitung war, war keine Parteizugehörigkeit notwendig. Die Aufgabe der Abteilung Ökonomie war, die Jahres- Quartals- und Monatsplanungen der einzelnen Druckereien und Buchbindereien, die unter dem Dach vereint waren, zu erstellen.

  1. 1989 – Wir sind das Volk

Die Montagsdemos in Leipzig, wenn ich daran zurück denke. Bei dem Ruf von den Menschenmassen „Wir sind das Volk“, da bekomme ich immer noch Gänsehaut. Keiner wusste, was da so richtig passiert und wie es ausgeht. Trotzdem musste ich mit meinen Eltern und vielen Freunden mit dabei sein. Jetzt war die Gelegenheit da, aus dieser DDR eine bessere DDR zu machen. Das dachten wir zu Beginn noch. Meine Tochter wollte ich zu den Demonstrationen natürlich nicht mitnehmen. Mein Ex-Mann war zu der Zeit im Ausland tätig. Bloß gut, dass ich eine sehr nette Nachbarin hatte.

  1. März 1990 – Umzug

Auf einmal war alles anders. Die Auftragsbücher der Betriebe waren nicht mehr gefüllt. Auslandstätigkeit wurde eingestellt. Zwei Kinder, keine Arbeit und irgendwie das Gefühl von Perspektivlosigkeit. Also hieß es im März 1990 Haushalt auflösen, Koffer packen und Umzug nach Porta Westfalica.

  1. Meine zweite Ausbildung – nochmal neu starten am 1.12.91

Als Handwerker hatte mein Ex-Mann keine Probleme einen Job zu finden. Bei mir war das schon etwas schwieriger. Gastronomie kam nicht in Frage. Also hieß es neue Wege gehen und eine Ausbildung nochmal starten. Ich hatte das Glück, einen ganz tollen Steuerberater zu finden, der mir dies ermöglichte. Selbst wenn mein Ausbildungsgehalt für die Kinderbetreuungskosten drauf ging, musste ich diese Chance nutzen.
Mit 30 in einer Berufsschulklasse mit 18 bis 21-jährigen zu sitzen, war zu Beginn auch etwas Gewöhnungsbedürftig. Nicht nur für mich, auch für die Mitschüler. Unter bestimmten Voraussetzungen konnte die Ausbildung von drei Jahren auf zwei Jahre verkürzt werden. Ich wollte ja so schnell wie möglich fertig werden. Am 14.1.1994 um 15:00 Uhr war die mündliche Prüfung zur Steuerfachgehilfin in steuer- und wirtschaftsberatenden Berufen. Heute heißt es Steuerfachangestellte. Klingt auch viel besser.

Zeitungsartikel zur bestandenen Prüfung im Mindener Tageblatt
Einmal im Mindener Tageblatt
  1. Zwischenschritt zum großen Ziel – Steuerfachassistentin

Mein Ziel war, Steuerberaterin. Bei einer Durchfallquote zwischen 40 und 50 Prozent hatte ich mich jedoch dazu entschlossen, erstmal einen Zwischenschritt einzulegen. Dieser hieß nach drei Jahren praktischer Tätigkeit als Steuerfachangestellte, Prüfung zur Steuerfachassistentin. Der Vorteil war, dass ich diese Zeit nutzen konnten, um das Lernen erstmal wieder lernen konnte. Nach drei Jahren praktischer Tätigkeit ist man einfach aus dem Lernmodus raus.
Am 10.3.1997 hatte ich die Urkunde in der Hand. Am 22.7.97 hielt ich noch eine weitere Urkunde in der Hand. Mein Fachschulstudium als Ökonom wurde anerkannt. Ich konnte ab dem Zeitpunkt die Berufsbezeichnung „Staatlich geprüfte Betriebswirtin“ führen. Jetzt waren die Voraussetzungen für die Beraterprüfung erfüllt.

  1. Steuerberaterin – Es war ein tolles Gefühl

Nach der Assistentenprüfung war ein kleines bisschen Entspannung angesagt. Dann ging es weiter mit dem Lernen. Familie, Arbeit, Lernen das alles unter einen Hut zu bringen, war manchmal schon eine ganz schöne Herausforderung. Nicht nur für mich sondern für die gesamte Familie. Aber der Wunsch, die Prüfung beim ersten Mal zu bestehen war einfach zu groß. Ja und dann kamen die Tage der Wahrheit. Drei Tage schriftliche Prüfung 5.10.99, 6.10.99 und 7.10.99 in der Stadthalle in Detmold. Dann hieß es warten. Ich glaube kurz vor Weihnachten kam dann die Mitteilung, dass ich zur mündlichen Prüfung zugelassen bin. Am 09.03.2000 war dann der Tag.

Berufungsurkunde
Super tolles Gefühl, die Berufungsurkunde als Steuerberaterin, in der Hand zu halten.
  1. Auf in die Selbständigkeit – März 2000

Mit der Urkunde in der Hand wusste ich, dass ist mein erster Tag der Selbständigkeit. Um mein Sicherheitsbedürfnis abzudecken arbeitete ich erst als freie Steuerberaterin bei anderen Kollegen. Daneben baute ich die eigene Kanzlei auf. Ein Raum im Haus wurde als Büro eingerichtet. Die erste Aushilfskraft war notwendig. Dabei stellte ich auch fest, dass ich mich verzettele. Ich musste mich entscheiden. Eigene Kanzlei weiter aufbauen oder als freie Steuerberaterin bei anderen Kollegen tätig sein. Ich habe mich für die erste Variante entschieden.

  1. Kanzlei wächst – Verstärkung wird notwendig

Nach und nach wuchs die Kanzlei. Ich wollte auf keinen Fall, dass durch dieses Wachstum die Qualität und die Flexibilität gegenüber den Mandanten litt. Meine Arbeitszeit betrug schon 50 bis 60 Stunden in der Woche. Da ist nicht mehr all zu viel Luft nach oben. Zu dem Zeitpunkt hatte meine Tochter Ihre Ausbildung zur Außenhandelskauffrau mit sehr gut abgeschlossen. Trotzdem war die Tätigkeit, die sie danach ausübte, nicht das was sie sich vorgestellt hatte. Obwohl ich sie mit meinem vielen Lernen abgeschreckt hatte, den Beruf der Steuerfachangestellten zu erlernen, entscheid sie sich dazu, diese zweite Ausbildung zu starten. Die Steuerkanzlei hatte im Januar 2003 ihre erste Auszubildende.

  1. Jetzt wurde es Zeit – neue Kanzleiräume

In der Zwischenzeit gab es den zweiten Auszubildenden. Der Partyraum im Keller wurde also kurzerhand umfunktioniert als Büroraum. Um zu arbeiten, mussten immer Lizenzen von dem Büro in der ersten Etage auf den PC im Keller mittels Diskette übertragen werden. Am Ende des Tages der Datenbestand wieder zurück. Es war total umständlich. Als dann ein potentieller Mandant in die Büroräume kam und fragte, ob ich denn auch wirklich den Beruf ausüben dürfte, wusste ich, es war an der Zeit neue Kanzleiräume zu suchen. Mein Sicherheitsbedürfnis, kann ich mir das auf Dauer alles leisten, musste weichen. Ende 2003 wurde das Home-Office beendet und die Kanzlei zog in andere Räumlichkeiten.

  1. Digitalisierung – erste Schritte in der Kanzlei

Das Jahr 2005 startete mit einer großen Umstellung. Digitalisierung zog in der Kanzlei ein. Es begann damit, dass alle Dokumente des Posteingang der Kanzlei gescannt wurden. Die gescannten Belege wurden in unserem revisionssicherem Dokumentenmanagementsystem abgelegt. Die Papierbelege wurden nur noch in Kartons gesammelt. Das Zeitalter der Ablage von Dokumenten in Ordnern verabschiedete sich in kleinen Schritten.

  1. Delegieren lernen – Vertrauen aufbauen – Innovationspreis

Ich hatte das Glück, in einer Kanzlei zu lernen in der selbständiges Arbeiten und Denken gewünscht und gefördert wurde. Dies half mir bei der eigenen Kanzleientwicklung. Ich wußte, ich kann nicht alles allein machen. Alles kontrollieren konnte und wollte ich nicht, dann hätte ich es gleich selbst machen können.
Meine Aufgabe war es, den Mitarbeitern zu zeigen, dass ich Vertrauen in ihre Fähigkeiten habe. Das Fehler auch kein Problem sind, denn nur aus Fehlern können wir gemeinsam lernen. Wir entwickelten gemeinsam Prozesse und dokumentierten diese in einem Qualitätshandbuch. 2007 hatten wir unser erstes Qualitätshandbuch. Prozessverantwortliche für die Aktualisierungen wurden benannt.
Die Mitarbeiter hatten einen Leitfaden für die selbständige Bearbeitung ihres Verantwortungsbereiches. Sie hatten Struktur und kannten ihren Verantwortungs- und Entscheidungsspielraum. Ich hatte mein Sicherheitsbedürfnis abgedeckt. Für die Mandanten bedeutete dies, gleich hohe Qualität und kürzere Bearbeitungszeiten. 2008 begann meine zweite Tochter die Ausbildung zur Steuerfachangestellten. Und 2009 erhielt die Kanzlei vom Verband den Kanzlei – Innovationspreis.

Kanzlei Innovationspreis 2009 vom Steuerberater-Verband Westfalen Lippe
  1. Fachberater für Controlling und Finanzen – Beratung verstärken

In den Jahren, in denen ich meine Tätigkeit ausübte, hatte ich immer mehr das Bedürfnis, die Mandanten nicht nur bei dem Thema Steuern zu beraten. Selbst wenn das ein wichtiges Thema ist. Steuern resultieren aber nur aus der unternehmerischen Tätigkeit. Und hier wollte ich für meine Mandanten mehr tätig werden. Unterstützen, um Klarheit bei kurz- und langfristigen Entscheidungen zu gewinnen. Klarheit über die finanzielle Situation des Unternehmens. Mit der Fortbildung zum Fachberater für Controlling und Finanzen im Jahr 2010 war das schon ein Schritt in die richtige Richtung. Controlling ist aber nicht für jeden Handwerksbetrieb das Instrument, auf das sie gewartet haben. Irgendwie machte sich noch nicht richtig das Gefühl breit, ja genau das benötigen meine Mandanten.

  1. 2019 – Kontakt zu Benita Königbauer

Im Jahr 2019 las ich das Buch „Profit First“ von Mike Michalowicz. Nachdem ich die Abneigung gegen den Titel des Buches überwunden hatte, war ich total begeistert. Sofort setzte ich das System in meiner Kanzlei um. Ich wollte es selbst ausprobieren. Führte wirklich das System zu dieser Klarheit und Sicherheit. War es tatsächlich möglich, damit bessere, vielleicht auch andere Entscheidungen zu treffen? Danach wußte ich, diese Ausbildung möchte ich unbedingt machen. Nicht nur für mich und meine weitere Kanzleientwicklung. Insbesondere für meine Mandanten. Das ist ein System was Klarheit schafft und in jedem Unternehmen um zusetzten ist. Nicht nur das, es hat auch Auswirkungen auf die Einstellung zu Geld und zu Gewinn. Ende 2019 startete diese Ausbildung erstmalig in deutscher Sprache, dank Benita Königbauer. Im Juni 2020 hielt ich das Zertifikat in der Hand.

  1. Systemischer Coach – bessere Fragen stellen

Ich musste Lernen, dass die Tätigkeit als Profit First Professional keine beratende Tätigkeit ist. Hier bin ich Sparringspartner, Trainer, Coach. Gleichgültig welche Bezeichnung gewählt wird. Was ich in dem Moment nicht bin, Beraterin. Jede Unternehmerin, jeder Unternehmer hat seinen Traum, seinen Wunsch wie sich das Unternehmen und auch die eigene Persönlichkeit entwickeln soll. Die Lösung ist so zu sagen schon in Jedem. Die richtigen Fragen unterstützen, genau diese Lösungen zu finden. Allein sieht man manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht.

  1. HEUTE – Zukunft weiter gestalten

Heute bin ich froh und dankbar, dass mich diese Abenteuerreise bis hier her gebracht hat. Das ich viele tolle Menschen auf dem Weg kennenlernen konnte. Ich freue mich darauf, mit meinen Mitarbeiterinnen gemeinsam, weiter die Mandanten zu begleiten, die ihre große Vision umsetzten möchten. Die Partnerinnen an ihrer Seite haben möchten, die sie mit ihrem Know How unterstützen. Mit Menschen, die ihre Wünsche in Ziele verwandeln wollen. Die Herausforderungen als neue Chance sehen. Die Abenteuerreise geht weiter.

stehe unter dem Baum und zeige in die Höhe

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